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Nachricht an Gerhard Bechtold

3.0 Die Wirtschaft im Wandel

3.1 Landwirtschaft

Wie Tabelle 11 schon anzeigte, nahm der primäre Sektor der Wirtschaft, die 'Urproduktion', in Sailauf innerhalb der letzten drei Jahrzehnte rapide ab. Man kann als Wendepunkt in der Geschichte das Jahr 1958 angeben, als sich die dominierende Rolle der Landwirtschaft endgültig zur untergeordneten wandelte. In ihrer Erzeugungs- und Sozialstruktur bildete sie die entscheidende Voraussetzung für die sich im Augenblick vollziehende Industrialisierung. Heute (1969) darf man aber trotz ihrer Abnahme nicht daran vorbeisehen, 'dass sie auf die Zukunft hin sinnvoll in das Sozialgefüge eingebaut und entwickelt werden muss' (Landkreis A'burg). Von diesen Bemühungen zeugen die Flurbereinigung, die Aussiedlungsbestrebungen und die starke Abnahme der Grenzbetriebe (siehe 3.1.3).

Agrarisch bezeichnet man gewöhnlich ein Land, in dem mehr als 60 % der Erwerbspersonen in der Landwirtschaft tätig sind. Das traf für Sailauf vor dem Kriege zweifellos zu, heute (1969) nicht mehr. Diese Tatsache unterstreicht das Ergebnis von 2.1.2: Sailauf befand sich vor dem Kriege in einer niedrigeren Form der wirtschaftlichen Entwicklung.

Bei den Verhältnissen von 1939 muss man jedoch berücksichtigen, dass sie durch das 'Blut- und Bodenprogramm' verzerrt wurden. So forderten die Nationalsozialisten nach 'Verherrlichung des Bodenständigen und v.a. nach einer Überhöhung des Bauerntums zum Träger altgermanischen Bluterbes und Schicksalglaubens' (Brockhaus). 1933 wurde das Erbhofsrecht erlassen, nach dem der älteste Sohn zwingendes Anerbenrecht (14) hat, die übrigen Kinder Zufluchtsrecht. Dies sollte einmal die Aufteilung verhindern, zum anderen Teil den 'Bauernstamm' stärken (15).

3.1.1 Die Zahl der Betriebe

Aus obengenannten Gründen soll in folgenden Tabellen auf den Wandel erst seit 1947 eingegangen werden. In diesem Zeitraum nahm die Anzahl der Betriebe um nur 22 % ab, die der Beschäftigten in den Betrieben aber um 80-100 %. Das ist jedoch nicht auf kleinere Betriebe zurückzuführen - die Durchschnittsfläche pro Betrieb nahm sogar geringfügig zu (Tabelle 18) - , sondern auf die Mechanisierung und die allgemeine Rationalisierung. Übrigens nahm die Zahl der Betriebe in der BRD in einem geringeren Masse ab (um 17 % statt 22 %).

Im weiteren Verlauf sollen jedoch die Betriebe in die vier Sparten:

  • I mit weniger als 2 ha bewirtschafteter Fläche
  • II mit 2 - 7,5 ha bewirtschafteter Fläche
  • III mit 7,5 - 25 ha bewirtschafteter Fläche
  • IV mit mehr als 25 ha bewirtschafteter Fläche eingeteilt werden.

Tab.16: Anzahl der Betriebe in Sailauf

 

1947:

1967:

Anstieg/Abnahme:

1947:

1967:

Gesamt:

200

157

- 22 %

100 %

100 %

Grösse I

120

110

- 7 %

58 %

68 %

Grösse II

80

40

- 50 %

38 %

24 %

Grösse III

6

10

+ 60 %

3 %

6 %

Grösse IV

1

1

-

1 %

1 %

Aufschlussreich ist vor allem die mittlere Sparte, die Aufschlüsselung nach Anstieg bzw. Abnahme in Prozenten.

Die kleinste Betriebsgrösse - mit meist um 1,5 ha Flächen - nahm nur geringfügig ab, ja, ihr Anteil an sämtlichen Betrieben, der ohnehin sehr hoch liegt, stieg sogar noch an (von 58 auf 68 %) ! Dieser Zuwachs ist teilweise durch die Abstockung der Betriebe von Sparte II bedingt, teilweise durch die Tatsache, dass Felder in dieser Grösse nicht pachtweise aufgenommen werden. Interessant sind hier die Landeszahlen: Für 58 / 68 % stehen im Lande Bayern 21 / 22 % ! 'Der Untermain und insbesondere auch der Landkreis Aschaffenburg ist das Land der Klein- und Kleinstbetriebe' (Landkreis A'burg). Die Ursache hierfür mag in der Art der Erbform, der Erbteilung, bestehen.

Betriebsgrösse II zeigt den stärksten Schwund: Sie ist die kritische Grösse, der Bereich der Grenzbetriebe. Diese Betriebe sind im gegenwärtigen Zustand für den Vollerwerb zu klein, für den Nebenerwerb zu gross und müssen daher entweder auf- oder abstocken.

Die grösseren und grössten Betriebe (Klasse III und IV) sind zwar prozentual kaum beteiligt, zeigen jedoch eine starke Zunahme. Der einzige (Guts-) Hof in Stufe IV, in der die Betriebe auch nach EWG-Vorstellungen Zukunft haben, ist der Weiberhof, dessen Grösse auf Zupacht u n d Eigentum beruht ! Demnächst wird ein Aussiedlungshof in diese Klasse aufsteigen (damit auch hier Zuwachsrate von 50 %).

3.1.2 Die Fläche der Betriebe

Auch in Betrachtung der bewirtschafteten Fläche liegt der Rückgang in Sailauf weit höher als im Bundesgebiet (-5 % statt -23%). Die Aufteilung der Betriebe in verschiedene Grössenklassen sei hier in demselben Schema vollzogen.

Tab.17: Die bewirtschaftete Fläche der Betriebe

 

1947:

1967:

Anstieg/Abnahme:

1947:

1967:

Gesamt:

690 ha

540 ha

- 23 %

100 %

100 %

Grösse I

155 ha

125 ha

- 19 %

22 %

23 %

Grösse II

350 ha

175 ha

- 50 %

51 %

32 %

Grösse III

100 ha

150 ha

+ 50 %

14 %

28 %

Grösse IV

80 ha

90 ha

+ 12 %

12 %

17 %

Die Verschiebung in den einzelnen Betriebsgrössenklassen entspricht der bei der Untersuchung der Anzahl der Betriebe:

Die Fläche, die von Betrieben der Grösse I bewirtschaftet wird, sank geringer als der Durchschnitt, liegt aber weit über dem Landesrahmen. Schneller dagegen nahm Fläche II ab, nur III und IV zeigen Aufwärtstendenz. Auch hier sind die Vergleichszahlen Bayerns stark davon verschieden: In Klasse IV stehen statt 12 / 17 % in Sailauf 29 / 31 % in Bayern ! In der Entwicklung der Grossbetriebe und dem Aufbau liegt Sailauf also in der Entwicklung weit zurück.

Allgemein kann man sagen, dass die Fläche pro Betrieb - vielleicht von den Kleinbetrieben abgesehen - im Wachstum begriffen ist; wie noch einmal folgende Tabelle beweist:

Tab.18: Betriebsfläche pro Betrieb (sämtliche Betriebe berücksichtigt !) im Vergleich

 

1949:

1967:

Anstieg

in Sailauf

3,0

3,2

+ 7 %

im Landkreis

2,5

2,6

+ 4 %

in Bayern

7,8

8,9

+ 14 %

Dieser geringe Zuwachsquotient wird verursacht von der, schon oben erwähnten, grossen Rolle der Kleinbetriebe im Untermaingebiet und deren hohen Stabilität. Sailauf scheint innerhalb des Landkreises noch günstig abzuschneiden.

Das Verhältnis der bebauten zur bewirtschafteten Fläche stieg erwartungsgemäss von 33 %0 (1950) auf 80 %0 (1967). Dieser Anstieg von 125 % (Bevölkerung im gleichen Zeitraum: 23 % !!) ergibt sich aus der oben dargelegten Zunahme des bebauten und Abnahme des bewirtschafteten Geländes.

Die Flurbereinigung wird gegenwärtig (1969) in Sailauf durchgeführt. Die Bauern sind in der Grosszahl nicht froh darüber, da sie meist die Kosten der Bearbeitung scheuen. Jedoch kann nur durch die Flurbereinigung dem Bauern die Möglichkeit zur Aussiedlung geboten werden.

3.1.3 Die Aufteilung der Betriebe

Bei der agarstrukturellen Rahmenplanung von 1965 wurde von der staatlichen Landwirtschaftsverwaltung folgende Aufteilung der Betriebe beschlossen. Sie ist jedoch auch schon in früheren Jahren zu verfolgen.

Tab.18: Anzahl und Fläche der Betriebe nach ihrer Aufteilung:

 

Betriebe

1930/35

Betriebe

1967

bewirtschaftete Fläche

1930/35

bewirtschaftete Fläche

1967

Vollerwerbsbetrieb

(300)

1

(1500)

90

Grenzbetrieb

(100)

10

(300)

96

Sonstige Hauptbetriebe

(50)

3

(300)

14

Nebenberufliche Betriebe

(50)

143

(100)

298

  • Vollerwerbsbetriebe müsssen einer Familie Vollerwerb gewährleisten können. Dies geschieht von einer gewissen Flächengrösse ab. Sie betrug 1936 ca. 6 ha, heute (1967) liegt sie in Sailauf bei 16 ha.
  • Grenzbetriebe liegen an der 'Grenze' zwischen (1) und (4). Sie können auf die Dauer keine Familie ernähren und müssen in Zukunft entweder auf- oder abstocken. Solche Betriebe sind nur bei hoher Nachfrage existenzfähig. Sobald ein Nachfragerückgang eintritt, sind sie die ersten ('Grenze'), die ausscheiden müssen. Ihre Betriebsgrösse liegt derzeit zwischen 8 und 10 ha.
  • Die sonstigen landwirtschaftlichen-hauptberuflichen Betriebe sind Ubergangsphasen, Betriebe, die kurz vor dem Schliessen stehen. So wollen in Sailauf die Erben den Hof nicht mehr übernehmen.
  • Nebenberuflich wird ein Betrieb dann genannt, wenn er für das Einkommen einer Familie nur eine unzureichende Einkommensquelle gewährt, d.h. dass bereits jetzt ein oder mehrere Mitglieder der Familie einer nichtlandwirtschaftlichen Tätigkeit nachgehen. Die Landwirtschaft stellt dann meist nur noch eine Selbstversorgerwirtschaft dar. Das Verschwinden der hauptberuflichen Betriebe in der Industrialisierung stärkte die nebenberuflichen.
Aus folgender Tabelle geht hervor, dass die durchschnittliche Flächengrösse (Mindestwert) eines hauptberuflichen Betriebes etwa um das Doppelte zunahm.

Tab.19: Fläche der haupt- und nebenberuflichen Betriebe

 

1935:

1967:

Hauptberuflich:

5 ha

15 ha

Nebenberuflich:

(2 ha)

2 ha

3.1.4 Die Bodennutzung

Die allgemeine Abnahme in der genutzten Bodenfläche ist zu erwarten, nicht jedoch die ungleich grössere der Wiesen gegenüber der Äcker.

Jede Art eines Wandels in der Bodennutzung lässt sich zuerst in den Talschlüssen feststellen, wo die Talniederungen immer enger werden und die Wiesen deswegen zuerst brach gelassen werden, wo die Ackerböden immer schlechter werden und deswegen als erste nicht mehr genutzt werden. Tatsächlich lässt isch eine solche Veränderung in den letzten Jahren bestätigen.

3.1.4.1 Felderanbau

Bei der Bebauung der Felder ist eine Wandlung vom Weizen- zum Roggenanbau eingetreten. Roggen ist heute (1967) genauso wirtschaftlich anzubauen wie Weizen, zudem ist die Nachfrage des Weizens, der fast nur zur Brotherstellung gebraucht wird, geringer geworden.

3.1.4.2 Wiesen- und Weidennutzung

Die Abnahme der Wiesen und Weiden erklärt sich aus der Abnahme des Viehbestandes (siehe 3.1.5).

3.1.4.3 Brache

Bei dem Ödland ist vor allem das Ansteigen des landwirtschaftlich nutzbaren Ödlandes auffallend: Von weniger als 1 ha stieg es innerhalb fünfzehn Jahre auf mehr als 80 ha an. Meist ist es brachgelassene Ackerwiese, die jederzeit wieder zur Bewirtschaftung aufgenommen werden kann. Dies ist u.a. ein Ziel der Flurbereinigung. Das 'Öd- und Unland' besteht aus sauren Wiesen, Kieshalden, Sumpf etc.

Tab.21: Der Wandel in der Bodennutzung in Sailauf:

 

1954:

1969:

Zunahme / Abnahme:

Äcker

443 ha

374 ha

- 15 %

Wiesen, Weiden

176 ha

136 ha

- 22 %

Landw.nutzbares Ödland

-

80 ha

-

Gesamt Wirtschaftsfläche

650 ha

620 ha

- 5 %

Wald

182 ha (16)

155 ha

- 17 %

Öd- und Unland

50 ha

70 ha

+ 14 %

3.1.5 Der Viehbestand

Die Landwirte sind fast durchweg Viehhalter, d.h. sie veredeln ihre Erzeugnisse auch selber im eigenen Betrieb. Dem Begriff der 'viehlosen Betriebe' ist in Sailauf nicht allzuviel Beachtung zuzumessen, da er hier nicht in der Bedeutung der 'nichtveredelnden Betriebe' läuft, sondern als Übergangsform 'infolge weniger Lust' (Zellfelder) anzusehen ist.

Über die Zahlen des Viehbestandes konnten leider erst aus dem Jahre 1966 die meisten Werte eruiert werden. Jedoch kann man diesen Trend auf einen weiteren Zeitraum extrapolieren.

Tab.22: Der Viehbestand in Sailauf

 

1955:

1966:

1969:

Zunahme / Abnahme:

Pferde

43

23

20

- 13 %

Rindvieh

510

358

320

- 11 %

Schweine

600

292

293

0 %

Schafe

 

224

182

- 19 %

Ziegen

 

26

17

- 35 %

Hühner

 

2271

1819

- 21 %

Gänse, Enten, Truthähne

 

194

30

- 85 %

Bienenvölker

 

104

96

- 8 %

Gesamt:

 

3492

2777

 

Der gesamte Viehbestand ist in den letzten Jahren drastisch gesunken (in nur drei Jahren um 21 %). Aus der letzten Sparte geht hervor, dass besonders das Federvieh (um 25 %), die Ziegen (um 35 %) und die Schafe (um 19 %) abnahmen. Auch die Abnahme der in dieser Tabelle unten stehenden Schweine (in neuerer Zeit 0; im Triennalium zuvor 12 %), des Rindviehes (11 %) und der Pferde (13 %) ist noch sehr hoch. Einzig die Schweinezahl blieb in letzter Zeit konstant, erklärlich durch ihre leichte Haltung und ihre Rationalität auch in kleinem Rahmen. Sie verbinden hiermit die Vorzüge des Klein- mit dem des Grossviehs.

3.1.6 Die Zahl der Viehhalter

Entsprechend der Viehminderung (-21 %) nahm auch die Zahl der Viehhalter ab (-24 %). Diese Differenz von 3 % wird noch weiter unten erörtert. Mit 49 % Abnahme der Viehhalter in den Jahren 1951-67 liegt Sailauf noch weit unter dme Landkreis-Schnitt mit 59 %. Denn in den stadtnahen Gemeinden des Landkreises liegt der Rückgang noch höher (um 70-75%).

Tab.23: Anzahl der Viehhalter in Sailauf

 

1951:

1966:

1969:

Zunahme / Abnahme:

Pferde

14

12

- 15 %

Rindvieh

125

58

53

- 9 %

Schweine

197

101

80

- 21 %

Schafe

 

1

3

+ 200 %

Ziegen

 

16

9

- 44 %

Hühner

 

159

107

- 33 %

Gänse, Enten, Truthähne

 

31

9

- 71 %

Bienenvölker

 

11

9

- 19 %

Man sieht: Diese Abnahmewerte entsprechen der der vorigen Quelle. Lediglich die Schafhalter nahmen auffallend zu. Dabei ist jedoch zu beachten, dass weiterhin der Grossteil der Schafe einem (!) Schäfer gehören. Bei der Flurbereinigung ist nebenbei der Schafzucht eine grosse Fläche zugeteilt worden.

Tab.24: Die Anzahl der Stück Vieh pro Halter

 

1966:

1969:

Pferde

1,6

1,7

Rindvieh

62

60

Schweine

29

37

Schafe

224

61

Hühner

143

170

Die oben genannte Differenz von 3 % und diese Zahlen lassen eine allmählich stärker werdende Neigung von 'Viehkleinwirtschaft' , die nicht mehr rentabel genug ist, zur 'Viehgrosswirtschaft' erkennen. Dies ist sowohl durch den steigenden GV/ Halter - Quotienten als auch die zunehmende Spezialisierung zu erklären. Viele Landwirte haben oft nur noch zwei bis drei Tiersorten in ihren Ställen stehen. In Sailauf existieren seit neuestem zwei Geflügelfarmen und eine Schweinetierzucht.

3.1.7 Weitere Werte zur Viehhaltung

Betrachtet man den Wandel des Viehbestandes rein an seinem GV (17), so ergibt sich eine Abnahme von nur 2 % (18). (Dazu als Vergleichszahl noch einmal die Abnahme der Viehzahl: 21 %). Dies ist vielleicht darauf zurückzuführen, dass das Schwervieh in geringerem Masse abnahm als das Leichtvieh. Diese Hypothese unterstützen die hohen Abnahmewerte der Ziegen und Schafen von Tabelle 22 und die des Jungrindes gegenüber den älteren Rindern von folgender Tabelle:

Tab.25: Anteil des Jungviehs am Gesamtviehbestand:

 

1966:

1969:

Zunahme / Abnahme:

Rindvieh

57 %

46 %

- 19 %

Schweine

54 %

51 %

- 6 %

Schafe

35 %

27 %

- 23 %

Ziegen

50 %

35 %

- 30 %

Hühner

40 %

59 %

+ 15 %

Dies dürfte auf einen weiter sinkenden Viehbestand zu schliessen sein. Lediglich in der Hühner, eventuell auch der Schweinezucht, war in den letzten Jahren ein Anstieg zu verzeichnen, der auch anhalten dürfte. Folgerungen des neuen Schlagwortes in der Agrarpolitik 'Mästen statt Melken', d.h. einer Bewegung von Milchviehhaltung zur Rindermast, ist in Sailauf noch nicht festzustellen.

Im Gegenteil: Der Anteil der Milchkühe ging von 26 % (1966) auf 31 % (1969) in die Höhe. Es ist jedoch möglich, dass die gegenwärtige Zunahme des Schwein- und Hühnerbestandes für andere Tierarten typisch wird.

Zur Frage der Fortpflanzung wäre zu sagen, dass der Weg weiter von der natürlichen zur künstlichen Befruchtung führt: Anteil der männlichen Zuchttiere: 1966: 14,2 % - 1969: 10,7 %.

3.1.8 Sonstige landwirtschaftliche Kulturen

Als weitere Sparten der Landwirtschaft sind vielleicht der Obstanbau zu nennen, der jedoch in neuerer Zeit wegen 'zu geringer Rentabilität' eingestellt werden musste.

Hierzu gehört auch die Forstwirtschaft der Gemeinde, die 120 ha Körperschaftswald besitzt. Etwa bis 1960 bildete sie eine geringe Einnahmequelle. Heute (1969) decken sich die Einnahmen mit den Unkosten.

3.2 Industrie

Die Industrie stellt in der Industrialisierung den Gegenpol zur Landwirtschaft dar: Mit der Zunahme des eines ist unweigerlich die Abnahme des anderen verbunden. Der Wandel in den Bevölkerungszahlen, die in diesen Wirtschaftszweigen beschäftigt sind, ist unter 2.6.1 nachzulesen.

Erst s e i t 1960 besteht in Sailauf eine eigene Industrie. Dadurch konnte in gewissem Grade eine Zunahme der Pendlerzahlen vermieden werden (siehe Tabelle 12/13).

Tab.26: Industriefirmen in Sailauf (1969):

 

Anzahl der Firmen:

Belegschaft:

Kleiderfabriken

3

60

Metallwaren

1

85

Lederwaren

1

ca. 8

Steinwerk

1

10

Sägewerk

1

10

Wie aus der Tabelle hervorgeht, sind die Firmen - mit Ausnahme der metallverarbeitenden - noch sehr klein. Sie haben eine Belegschaft von bis zu 20 Personen. Diese doch recht kleine durchschnittliche Betriebsgrösse zeigt den mittelständigen Charakter der 'Industrie' auf. Sie ist durch die Art der vorherrschenden Industriezweige, d.h. in erster Linie der Bekleidung, bedingt. So bestimmt die verarbeitende Industrie noch rein das 'industrielle Gefüge' Sailaufs.

Nur die letzten zwei Firmen sind rohstoffbedingt. Die anderen nutzen als wirtschaftliche Voraussetzungen das in Sailauf vorhandene Arbeitspotential aus, das jedoch nach einer Erhebung von 1967 'erschöpft' ist.

Etwa 1965 wurde ein Industriegebiet von 3 ha ausgewiesen, das inzwischen zu 70% genutzt ist.

Eine Heimindustrie konnte in Sailauf nie stark Fuss fassen.

3.3 Handwerk

Das Handwerk ist eine Wirtschaftsform, die sich auf die 'gewerbliche Tätigkeit, die im wesentlichen mit der Hand unter Benutzung einfacher Werkzeuge und Geräte ausgeübt wird' (Brockhaus), bezieht. Damit ist das Handwerk der einzige Wirtschaftszweig, der sowohl vor als auch nach der Industrialisierung eine berechtigte Stellung hat - vielleicht abgesehen von dem unwichtigeren Dienstleistungsgewerbe. Demgemäss blieb der Anteil des Handwerks über diese Zeit in etwa konstant (siehe Tabelle 12/13).

Die Zahl der handwerklichen Betriebe ging seit 1949 (damals ca. 50; heute 35) zurück - insbesondere die Betriebe mit weniger als drei Beschäftigten -, die der Belegschaft stieg wesentlich an (heute 74 Personen). Demnach ist ein Trend vom Klein- zum Mittelbetrieb zu spüren.

Versucht man die verschiedenen Handwerke zu gliedern, so kommt man zu folgenden Gruppen:

  • Handwerke, die absolut notwendig sind und daher beständig geblieben sind (z.B. Nahrung, Bauwesen, Gesundheit).
  • Handwerke, die durch die Industrialisierung abgedrängt wurden (Holz) bzw. die nur noch mit Ausbesserungsarbeiten beschäftigt sind (Schuster).
  • Handwerke, die sich auf den veränderten Bedarf umgestellt haben (Metall, Textil).
Diese Aufteilung, an Sailauf angepasst, sieht folgendermassen aus (frühere Zahlen konnten leider nicht recherchiert werden):

Tab.27: Aufteilung der Handwerksbetriebe in Sailauf (1967):

1.

Bau, Ausbau

11

 

Nahrung

6

 

Gesundheit

4

2.

Holz

2

3.

Metall

5

 

Textil, Leder

7

Bei einer genaueren Aufschlüsselung fällt die unverhältnismässig hohe Zahl von drei Elektrobetrieben auf.

3.4 Dienstleistungsgewerbe

Als vierter und letzter Wirtschaftszweig sei die Bedeutung des Dienstleistungsgewerbes in Sailauf untersucht. Dienstleistungen sind definiert als 'wirtschaftliche Verrichtungen, die nicht in der Erzeugung von Sachgütern, sondern in persönlichen Leistungen bestehen' (Brockhaus). Zum Ansteigen des Dienstleistungsgewerbes als 'tertiärem Sektor' siehe Abschnitt 6 .

3.4.1 Der Handel

Der Handel nahm in Sailauf nur innerhalb der Grenzen des Bevölkerungszuwachses zu. Die Anzahl der Betriebe stieg nur ganz geringfügig auf heute 32.

Tab.28: Handelsbetriebe in Sailauf:

Lebensmittel, Haushaltungs-, Gemischtwaren

19

Elektrogeschäfte

2

Gaststätten

5

Bauhandel

3

sonstige

3

Ferner wurde in Sailauf nach dem Kriege eine Raiffeisenkasse eröffnet.

3.4.2 Der Fremdenverkehr

Seit etwa 1960 bestehen in Sailauf Bestrebungen, am lukrativen Geschäft des Fremdenverkehrs teilzunehmen. Merkwürdigerweise tauchen hier jedoch von Seiten der Gaststätten, die nur an Tagesgästen interessiert sind, Schwierigkeiten auf.

Die Ortsgruppe des Spessartbundes legte im Rahmen des 'Grünen Planes' Spazierwege an. Die Gemeindeverwaltung liess letztes Jahr einen Faltprospekt drucken. In ihm wird v.a. die Ruhe, die Entspannung, die Zuflucht for der 'hektischen, lärmevollen Unrast unserer Tage … in den romantischen Wildbachgründen und Wiesentälern, würzig duftenden Fichtenbeständen und auf den wald- und wildreichen Höhen und sonnigen Wiesen … in Sailauf, dem Erholungs- und Ausflugsort' (Quelle) angeführt. Ferner wird hingewiesen auf die 'Ausflugsziele in der Nähe', Aschaffenburg, Mespelbrunn und Bad Orb, und auf die günstigen Preise.

Tatsächlich war in den letzten Jahren auch ein Anstieg in der Übernachtungszahl zu verzeichnen. Natürlich besteht die Möglichkeit des Fremdenverkehrs nur in der Saison Mai - September.



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