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1.0 Einführung

In dieser Untersuchung soll der gesellschaftliche und wirtschaftliche Strukturwandel der Gemeinde Sailauf innerhalb der letzten 20 bis 30 Jahre (1939-1969) dargelegt werden. Die Gemeinde Sailauf wird in seiner entscheidenden industriellen Entwicklungsphase beobachtet. Sie veränderte sich vom agrarischen Bauerndorf zur industriell-abhängigen Wohngemeinde: Eine Wandlung, wie sie sich in den meisten, dichtbesiedelteren Teilen Deutschlands bereits im letzten Jahrhundert vollzogen hat, in den unterentwickelten Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas in den nächsten Jahrzehnten vollziehen wird.

1.1 Geographische Bedingungen

Es sei als Grundlage der Wirtschaft und Ansiedlung zuerst auf die natürlichen Standortfaktoren eingegangen:

Das Sailauftal gehört noch zum Vorspessart, dem Übergang von der Untermain-Ebene zum Hochspessart. Es liegt in einer Höhe von ca. 200 m auf einem aus Gneis und Granit aufgebauten Rumpfgebirge. Als Folge dieser Zugehörigkeit zum flacheren Vorland kann die verhältnismässig dichte Besiedlung angesehen werden. Der Waldreichtum, die Quellenarmut und der Buntsandstein an den Talhängen und auf den Höhen zeugen bereits von der hier beginnenden Schichtstufenlandschaft des Hochspessarts.

1.2 Klimatische und geologische Bedingungen

Auch vom Klima her nimmt Sailauf eine Mittelposition zwischen Maintal-Ebene und Hochspessart ein. Vergleichen wir deshalb einige Werte aus den Gebieten des Vorspessarts, Hochspessarts und des Maintals miteinander:

Tab.1: Die klimatischen Standortfaktoren im Vergleich

 

Vorspessart

Maintal

Hochspessart

Klimabezeichnung

 

gemässigt-ozeanisch

gemildert-kontinental, trocken

rauh, feucht

Jahrestemperatur

 

8 C, ausgeglichener jährl.Temperaturgang

9 C

7 C

Niederschlag

800 mm (mässig feucht)

700 mm

900 mm

Im Gegensatz zu diesen fast optimalen Klimafaktoren des Vorspessarts sind die schlechten Oberböden, meist tiefgründige Lehm- und Schwemmböden, sowie die Hanglage fast aller Felder für die Landwirtschaft sehr ungünstig. So beträgt die Bodenzahl (1) nur 26 - 70 !

1.3 Historische Vorgeschichte (nach Büttner)

Die ersten Dokumente einer Besiedlung in der Umgebung sind Hügelgräber-Friedhöfe aus der Hallstatt-Zeit (750-450 v.Chr.).

Die Kolonisation des Sailauftals wurde jedoch erst von dem karolingischen (752-911) Forstbezirk Sailauf in die Wege geleitet.

Aber die Erschliessung des oberen Laufach- und Sailauftales und deren dauernde Besiedlung erfolgte planmässig erst im Zuge der Neuorganisation des Rodungswesens durch die staufischen Kaiser von ihrer Pfalz in Gelnhausen aus. Vielleicht schickte schon Kaiser Konrad (1138-53), sicherlich aber Kaiser Friedrich I. Barbarossa (1153-90) Kolonisten in die oberen Spessarttäler und unterstellte sie dem Schutze der Grafen von Rieneck, die schon die Vogtei über das Erzstift Mainz und das Kollegiatenstift Aschaffenburg besassen.

Nun entfalteten in den Bergen zu Bessenbach, Weiler und Landesere bei Sailauf die Grafen von Rieneck durch ihre Vasallen neben dem Ausbau ihrer Macht auch die Pläne zur weiteren Besiedlung der Täler. Diese Kolonisten erschienen in den Urkunden als sogenannte 'freye lute', weil ihnen von kaiserlicher Seite wegen der besonderen Schwierigkeiten auf dem neuen Siedlungsland auch besondere Freiheiten eingeräumt wurden. Während um die Weiberhöfe und das westliche Sailauftal neues Kulturland gewonnen wurde, blieben die ganz von Wäldern bedeckten obersten Bachläufe von diesem Rodungswerk noch fast unberührt.

Erst die Sorge der Mainzer Erzbischöfe um die Erhaltung des Waldes und seiner Schätze an Holz und Wild veranlasste eine weitere Form der Besiedlung durch die Errichtung der Forst-, Bach- und Büttelhuben in Sailauf. Nach dem Wachstum der Bevölkerung im 13. Jahrhundert entstand in Sailauf eine Pfarrei, die noch heute deutlich das gemeinsame Merkmal der Urpfarreien trägt: Die Erbauung der Pfarrkirche auf einem weithin sichtbaren Hügel.

1814 fiel Sailauf mit dem ganzen Untermaingebiet an Bayern. Es zählte damals etwa 600-700 Einwohner.



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